
Bei der Beschaffung, insbesondere für Unternehmen mit Kleinserien- oder kundenspezifischen Aufträgen, kann selbst ein kleiner Fehler Lieferanten „Fallen“ auslösen, die zu Kostenüberschreitungen oder Projektverzögerungen führen. Dieser Artikel stützt sich auf die Erfahrungen von wbmetal Hardware bei kundenspezifischen Projekten für Parfümkappen aus Aluminium- und Zinklegierungen. Er analysiert gängige Risikopunkte und bietet Strategien zu deren Vermeidung.
I. Die Kostenfalle bei Kleinserienaufträgen: Doppelter Druck durch Werkzeugkosten und Stückkosten
Kleinserienaufträge erhalten von Lieferanten oft eine „Sonderbehandlung“, wodurch die Kostenkontrolle zur größten Herausforderung wird. Einige Lieferanten verlangen die vollständige Vorauszahlung der Werkzeugkosten und lehnen eine Amortisation ab, was zu hohen Anfangsinvestitionen führt. Die Stückpreise können auch um ein Vielfaches höher sein als bei Großaufträgen, was die Gewinnmargen erheblich schmälert.
Kleinserienaufträge tragen oft die vollen Werkzeugkosten und sehen sich deutlich höheren Stückpreisen gegenüber als bei Standard-Volumenpreisen. Dies belastet Projekte mit bereits geringen Margen zusätzlich.
Nischenmarken oder Start-ups mit begrenzten Anfangsverkäufen stehen oft vor einem Dilemma: Sie müssen sich zwischen hohen Mindestbestellmengen (MOQs) und dem Druck, hohe Lagerbestände zu halten, entscheiden. Die meisten Fabriken legen MOQs fest, die weit über dem tatsächlichen Bedarf liegen, was das Risiko von Restbeständen erhöht. Fabriken, die bereit sind, Kleinaufträge anzunehmen, können Preise anbieten, die mehr als 60% über dem Standardpreis liegen. Ein Start-up, das Metallkomponenten anpasste, sah sich beispielsweise diesem Konflikt gegenüber, als MOQ-Anforderungen mit Budgetbeschränkungen kollidierten und eine Wahl zwischen Überbeständen oder einem hohen Preisaufschlag erzwungen wurde.
II. Versteckte Risiken durch lückenhafte Vertragsbedingungen: Streitigkeiten ausgelöst durch Rohstoffpreisschwankungen
Bei der Beschaffung kundenspezifischer Produkte können unvollständige Vertragsbedingungen von Lieferanten ausgenutzt werden, um Preise zu erhöhen, insbesondere bei Produkten mit volatilen Rohstoffpreisen. Fehlen in Verträgen klare Rohstoffpreisklauseln, sind Käufer im Nachteil.
Unternehmen, die Zinklegierungskomponenten anfertigen lassen, sahen sich während der Produktion mit Preiserhöhungen seitens der Lieferanten konfrontiert, da die Verträge keine Materialpreisanpassungsklauseln enthielten. Andernfalls wäre die Produktion eingestellt worden. Solche Situationen sind im Einkauf von Metalldruckgussteilen üblich. Wenn Projektzeitpläne eng sind, müssen Einkäufer oft Kompromisse eingehen, was zu unnötigen Kostensteigerungen führt.
III. Zentrale Strategien zur Risikovermeidung: Präzisierung und Standardisierung der Vertragsbedingungen
Um diesen Risiken zu begegnen, sollten Unternehmen von Anfang an verfeinerte, standardisierte Vertragsbedingungen einführen. Das Hauptziel ist es, im Voraus festzulegen, wie mit Rohmaterialpreisänderungen umzugehen ist und klare Abnahmekriterien zu definieren.
Konkret können Verträge Klauseln enthalten wie: „Das Werk übernimmt Rohstoffpreisschwankungen innerhalb von ±5%. Alles darüber hinaus wird von beiden Parteien durch Verhandlung geteilt.“ Der Vertrag sollte auch ein klares Referenzdatum für die Materialpreisgestaltung nennen, wie z.B. den Marktpreis am Tag der Vertragsunterzeichnung. Diese Bestimmungen tragen dazu bei, die durch Änderungen der Rohstoffpreise verursachte Unsicherheit zu reduzieren.
Für kundenspezifische Produkte sollten Verträge Abnahmekriterien für wichtige Details wie Farbcodes und Prägetiefe festlegen. Diese können sich auf branchenübliche Materialprüfkriterien wie Härte oder Schichtdicke beziehen. Verträge können auch Inspektionen durch Dritte vorschreiben. Diese Maßnahmen verhindern spätere Qualitäts- oder Preisstreitigkeiten aufgrund unterschiedlicher Interpretationen.
Zusammenfassung
Die Beschaffungsrisikokontrolle muss an der Quelle beginnen. Unternehmen müssen auf unangemessene Preisgestaltung bei Kleinserienaufträgen achten und sich auf solide Vertragsbedingungen konzentrieren. Besondere Aufmerksamkeit ist Klauseln zu Rohstoffpreisänderungen und klaren Produktabnahmekriterien zu schenken. Diese Schritte helfen, Beschaffungsfallen zu vermeiden, Kosten zu senken und eine stabile Lieferkette aufrechtzuerhalten.


